Digitaler Fotokurs
Das Licht

Warum ist das Licht für das Fotografieren so wichtig?
Weil es nun mal Licht ist, das durch das Objektiv auf den Sensor beziehungsweise Film fällt.

Entweder direktes Licht, wenn wir eine Lichtquelle wie den Mond, eine Fackel oder ein Feuerwerk fotografieren oder

reflektiertes Licht.
Fotografieren ist Malen mit Licht.

Licht ist nicht gleich Licht
Je nach Lichtquelle hat Licht eine eigene Farbe. Licht kann stark gerichtet sein oder auch diffus, wie wir es von einem stark bedeckten Himmel kennen, Licht kann frontal auf das Objekt auftreffen, so macht es der Kamerablitz, mehr oder minder von der Seite oder sogar als Gegenlicht hinter dem Objekt sein.

Licht können wir ganz bewusst in die Gestaltung einbeziehen, keineswegs nur in der Studiofotografie, wo die Steuerung des Lichts das A. und O der Arbeit ist.

Für die Lichtführung im Studio gibt es eine eigene Webseite, hier geht es um natürliches Licht.
Zunächst einmal zur Farbe des Lichts:
Licht hat eine Farbe oder die Funktion des Weißabgleichs
Machten sich schon früher Amateurfotografen kaum Gedanken um die Farbe des Lichts, der handelsübliche Farbfilm war und ist auf 5500° Kelvin abgestimmt, das ist die Farbe des Lichts während der meisten Stunden des Tages, so machen sich Amateurfotografen heute noch viel weniger Gedanken darum, schließlich hat eine Digitalkamera einen eingebauten Weißabgleich.
Allerdings braucht ein Weißabgleich, um wirklich hundertprozentig genau zu funktionieren, irgendwo im Bild auch ein reines Weiß.

Automatischer Weißabgleich auf 2650° Kelvin. Die alte Brücke wurde als reines Weiß interpretiert.
Daran scheitert es bereits oft, denn auch weiß ist nicht gleich weiß. Weiß ist häufig leicht abgetönt, fasst der Weißabgleich ein abgetöntes Weiß jedoch als reines Weiß auf, dann werden die Farben in der Kamera verfälscht.

Die Farbtemperatur wurde bei diesem Foto vom selben Standort auf realistische 3650 ° Kelvin korrigiert.
Ich bin dennoch immer wieder erstaunt über die Leistungsfähigkeit des Weißabgleichs in modernen Spiegelreflexkameras, der sogar dann noch einigermaßen zuverlässig funktioniert, wenn es überhaupt keine weiße Fläche in einem Bild gibt.

In den meisten regulären Aufnahmesituationen können wir uns auf den Weißabgleich einer modernen Kamera problemlos verlassen. Dennoch ist derjenige im Vorteil, dessen Kamera nicht nur im JPEG Format Aufnahmen speichert, sondern auch in einem Rohdatenformat. Denn im Rohdatenformat findet kein automatischer Weißabgleich statt, stattdessen wird die Einstellung der Kamera auf einen Kelvin Wert zunächst für die Darstellung übernommen, der jedoch in einem Computerprogramm wie beispielsweise Adobe Bridge, das seit der Version CS2 zum Photoshop serienmäßig dazugehört, beliebig verändert werden kann. Würde man anschließend bei einem JPEG versuchen, die Farbtemperatur zu regeln, dann hätte man ziemliche Probleme.

In der Studiofotografie empfiehlt es sich dennoch, den Weißabgleich manuell vorzunehmen. Bei meiner digitalen Spiegelreflex kann man dazu ein Programmmenü auswählen, richtet die Kamera anschließend auf ein weißes Blatt Papier, das nach Möglichkeit natürlich rein weiß und nicht abgetönt sein sollte, das war's auch schon, diese Einstellung wird gespeichert und solange verwendet, bis man die Kamera wieder auf den automatischen Weißabgleich oder erneut manuell umstellt.
Was ist die Farbe des Lichts ?
Licht in einem reinen Weiß gibt es nicht. Licht hat immer eine eigene Farbe, die in Grad Kelvin gemessen wird. Das Licht einer Glühbirne hat beispielsweise etwa 2800° Kelvin, dass Licht einer Studiolampe sollte möglichst 3200° Kelvin haben, Tageslicht variiert von 4000° Kelvin bis weit über 15.000° Kelvin.

Was bedeuten die Kelvin Grad Angaben?
Je geringer der Wert ist, umso höher ist der Rot-Gelb Anteil im Licht, je höher der Wert ist, umso größer der Blauanteil des Lichts. Die Kelvintabelle basiert auf dem glühenden Eisen, das, je heißer es wird, umso heller glüht und dabei seine Farbe zunehmend von Rot nach einem blauen Weiß verändert. Die Kelvin Tabelle entspricht der Farbe glühenden Eisens bei der jeweiligen Temperatur in Grad Celsius.

Wenn Sie mit einem Programm wie Adobe Bridge Ihre Rohdaten-Bilder aufmachen, dann sehen Sie in den Angaben zum Bild ganz oben den Schieber, mit dem Sie den Kelvin Wert nachträglich ganz einfach ändern können. Eine Änderung in den Rohdaten ist niemals endgültig und kann jederzeit rückgängig gemacht werden, doch wenn das Bild anschließend im Photoshop geöffnet wird, werden die Änderungen in den Rohdaten in den Photoshop übernommen.
Starke Reflexionen beeinflussen die Farbe des Lichts
Ein Portrait auf einer grünen Wiese kann das Licht insgesamt ins Grün verschieben. Grün ist jedoch eine ausgesprochen unvorteilhafte Farbe für ein Portrait, Grün als Komplementärfarbe zu Rot hebt Haut-Unreinheiten extrem hervor. Das lässt sich noch nicht einmal über den Kelvinwert weg bringen, entweder man setzt vorher bereits einen leichten Filter in der Komplementärfarbe auf die Kamera, der den hohen Grünanteil im reflektierten Licht wieder wegfiltert oder man arbeitet anschließend in einem Bildbearbeitungsprogramm um das selbe zu erreichen. Wobei grundsätzlich zu beachten gilt, je besser die Aufnahme, umso besser anschließend auch das Ergebnis im Bildbearbeitungs-programm. Bildinformationen, die bereits bei der Aufnahme fehlen, kann auch das beste Bildbearbeitungsprogramm nachträglich nicht mehr herstellen. Man kann dann höchstens noch mit viel Feinarbeit versuchen, zumindest die gröbsten Fehler auszubügeln.
Ähnliches gilt im Hochgebirge, dort ist der UV Anteil im Licht besonders hoch und zudem reflektiert Schnee in den Schattenpartien extrem stark blau. Das jedoch bekommen Sie über den Regler für die Farbtemperatur des Lichts anschließend leicht wieder heraus, denn bei der Farbtemperatur des Lichts geht es um Rot- und Blauanteile. Vorausgesetzt natürlich, es wurde im Rohdatenformat abgespeichert und nicht als JPEG.

Wenn man die Farbtemperatur des Lichts nicht ermitteln kann, bieten viele moderne Digitalkameras einige Voreinstellungen an, die für die meisten Aufnahmesituationen halbwegs passen. Profifotografen verwenden dafür, insbesondere wenn sie mit einem Film statt einem Digital Rückteil arbeiten, einen Farbtemperaturmesser, der zuverlässig die Farbe des Lichts ermittelt und gleich auch noch den Filter Wert angibt, den man zum Ausgleich braucht. Diesen Aufwand brauchen wir in der Regel nicht zu treiben, wenn wir Fotos im Rohdatenformat speichern.
Die Ermittlung der Farbtemperatur, die früher auch für den anspruchsvollen Amateur unumgänglich war, weil sich Fehler bei der Aufnahme nachträglich im Diafilm nicht mehr korrigieren ließen, gehört bei der Digital Fotografie fast schon der Vergangenheit an, zumindest, um es nochmals zu betonen, wenn man grundsätzlich nur im Rohdatenformat abspeichert und nur bei den Kameras, die sowohl im Rohdatenformat als auch gleichzeitig als JPEG abspeichern, gelegentlich diese Funktion zusätzlich nutzt. Das abspeichern als JPEG hat zumindest mal den Vorteil, dass man sich die Bilder anschließend am Computer auch ohne ein Programm, das Rohdaten lesen kann, gleich mal ansehen kann. Zu mehr taugt als JPEG Format als Speicherformat allerdings nicht. Für die nachträgliche Bildbearbeitung ist es eine Katastrophe.

Diese Funktion nutze ich beispielsweise in Italien, wenn ich bei Freunden zu Gast bin, dort gibt es keinen Photoshop und auch kein Adobe Bridge. Zur nachträglichen Bearbeitung zuhause sind die Bilder zusätzlich im Rohdatenformat abgespeichert.
Achten Sie grundsätzlich nicht nur auf die Lichtfarbe an sich, sondern auch auf Reflektionsflächen wie Schnee oder eine grüne Wiese, die die Farben im Bild erheblich verändern können.
Licht von stark gebündelt bis zu diffus

Ein stark gebündeltes Licht gibt es in der prallen Mittagssonne oder im Studio bei der Verwendung eines Spotlights. Stark gebündeltes Licht ist für die meisten Aufnahmesituationen eher unerwünscht. Im Studio verwendet man das Spotlight praktisch nie als Hauptlicht, sondern um Glanzeffekte beispielsweise auf den Haaren eines Modells zu setzen.

Je stärker das Licht gebündelt ist, je praller es auf ein Objekt fällt, umso härter werden die Schatten. Zumal eine digitale Kamera nicht den Kontrastumfang eines feinkörnigen Diafilms erreicht und somit die Lichter noch mehr ausgefressen erscheinen und die Schatten noch tiefer. Also, möglichst nicht in der prallen Mittagssonne fotografieren. Das Licht am Vormittag oder Nachmittag ist deutlich weicher.

Das gegenteilige Licht gibt es bei leichtem Nebel, Konturen sind kaum noch zu erkennen, Farben werden stark gedämpft, alles erscheint irgendwie grau in grau.

Dennoch ist für Porträts ein eher diffuses Licht zu bevorzugen. Natürlich gibt es auch davon Ausnahmen, dieses Schwarzweiß Porträt entstand am späteren Nachmittag bei praller Sonne. Die Schattenpartien sind noch genügend durch gezeichnet, um nicht einfach nur schwarz zu sein. Und das ohne Nacharbeit im Photoshop. Das Foto entstand ohnehin vor vielen Jahren mit einer 6x6 Spiegelreflexkamera.

Das optimale Licht für die meisten Aufnahmesituationen ist leicht diffus, zumindest ein weiches Licht. Im professionellen Studio benutzt man als Hauptlicht ein Hazylight. Anders als Softboxen, die von der Seite kommen und damit ein Licht erzeugen, das es so in der Natur nicht gibt, ist ein Hazylight wie die Sonne am Nachmittag mit einem dünnen Wolkenschleier, es kommt schräg von oben. Das ist nicht nur die optimale Lichtsituation für die meisten Porträts und Objektaufnahmen (Table Top Fotos) sondern draußen bei natürlichem Licht auch für die meisten Architekturfotos. Dieses Licht kann für stimmungsvolle Landschaftsbilder, die insbesondere durch ihre zurückhaltenden Farben überzeugen, ebenfalls ideal sein.
Stimmungsvolle Landschaftsbilder

Doch die stimmungsvollsten Landschaftsbilder entstehen oft bei einem leicht bewölkten Himmel mit ziehenden Wolken. Hier ist es der Kontrast zwischen den durch den Schatten der Wolken abgedunkelten Bereichen und dem Leuchten der von der Sonne direkt beschienenen Flächen, der aus einem normalen Landschaftsfoto ein besonderes Bild machen kann.

Oder wie bei diesen Fotos einfach Wald und Lichtung.


Die Richtung des Lichts
Auflicht
Am unvorteilhaftesten ist Licht, das frontal auf das Objekt fällt, beispielsweise vom Blitzgerät auf der Kamera. Ein Gesicht wirkt ausgesprochen flach, denn die Konturen des Gesichts verschwimmen im Licht.
Der Kamerablitz und Aufsteckblitzgeräte
Sowohl der Kamera eigene Blitz als auch ein Aufsteckblitzgerät liefern das unvorteilhafte Auflicht. Mit einem Blitzgerät auf der Kamera zerstören Sie jede Atmosphäre.

Der Kamera Blitz beziehungsweise das stärkere Aufsteckblitzgerät sind eigentlich nur in der Reportagefotografie und für Erinnerungs-Fotos brauchbar.
Bei einem Aufsteckblitzgerät können Sie zumindest dann noch etwas Zeichnung in ein Bild bringen, wenn Sie es, wie Sie es vielleicht schon bei Fotoreportern gesehen haben, nicht auf den Zubehörschuh der Kamera stecken, sondern es stattdessen mit einer Zubehörschiene etwas seitlich versetzt von der Kamera mit der Kamera verbinden. Das ist zwar immer noch nicht das Gelbe vom Ei, es bleibt ein grauenhaftes Licht, doch es ist immer noch besser, als der Blitz direkt oberhalb vom Objektiv der einem Modell frontal in die Augen leuchtet.
Fotos, die über den Erinnerungswert hinaus wirken sollen,

Kelvin Kalvus bei einem Ritterfest in Hirschhorn am Neckar.

und Arjuna.
macht man nicht mit einem Blitzgerät auf oder direkt neben der Kamera.
Mit den gerade auf den Markt gekommenen neuen Kameras von Nikon und Pentax braucht man noch nicht einmal mehr in der Dämmerung zusätzliches Licht von der Kamera. Beide Kameras sollen ohne Bild Rauschen ISO 3600 ermöglichen, die bisherige Grenze lag bei ISO 400. Das ist ein Zugewinn von drei Blenden Stufen. Oder bei derselben Blende der Unterschied zwischen noch ohne Stativ fotografieren zu können oder ein Stativ zu benötigen. Als Beispiel, korrekte Belichtung bei ISO 400 bei offener Blende mit einem relativ lichtstarken Zoomobjektiv: Blende 3,5, Belichtungszeit 1/4 Sekunde. Dasselbe mit ISO 3200: Blende 3,5, Belichtungszeit 1/30 Sekunde.
Mit zunehmendem Bild Rauschen ermöglicht die Pentax bisher unvorstellbare ISO Werte und geht bis 56.000. Allerdings sind die ganz hohen Empfindlichkeiten für die kreative Fotografie absolut ungeeignet, das Bild Rauschen ist allzu massiv.
Sollte sich dieser Trend fortsetzen, wäre es wohl auch das Ende besonders lichtstarker Objektive, die man bisher einsetzte, um mit natürlichem Licht auch noch in schwierigen Lichtsituationen fotografieren zu können. Denn, warum sollte man für den Zugewinn von einer oder zwei Blenden, die man mit einem besonders lichtstarken Objektiv erreicht, viele Tausend Euro ausgeben, wenn man dasselbe oder sogar mehr mit einer besonders empfindlichen Kamera erreicht, die weniger kostet als ein einziges lichtstarkes Objektiv?

Im Kaiserdom zu Worms am Nachmittag. Dieses Licht ist die Sonne, die durch die kleinen, hochliegenden Fenster der romanischen Kirche scheint und wie ein Spotlight nur kleine Teilflächen beleuchtet.

Ein Stilleben mit Auflicht schräg von oben.
Direktes Auflicht aus Richtung der Kamera, vor allem durch den Kamerablitz oder ein Aufsteckblitzgerät sollte also möglichst vermieden werden.
Ebenso wenig sollte man die Sonne direkt im Rücken haben, das ist fast ebenso schlimm wie ein Kamerablitz.
Das Licht sollte immer etwas seitlich versetzt vom Fotografen sein, allerdings, je stärker zur Seite versetzt, umso eher müssen die Schattenpartien zusätzlich aufgehellt werden. Dafür ist notfalls sogar der Kamerablitz als Aufhellleuchte geeignet. Besser sind jedoch Reflexfolien, mit denen man ganz gezielt vorgehen kann.
Auch im Studio begnügt man sich nur selten mit dem Licht selbst eines extrem weichen Hauptlichts beispielsweise vom Hazylight, sondern benutzt ein weiteres, schwächeres Blitzgerät zum Aufhellen der Schatten oder stattdessen Reflexfolien oder Styropor Tafeln.
Wie unterschiedlich ein und dasselbe Motiv mit anderem Licht kommt, sehen Sie bei diesen beiden Fotos von einer Obstschale.

Dasselbe Stilleben mit Gegenlicht.
Gegenlicht

Gegenlicht stellt besondere Herausforderungen an den Fotografen wie auch die Technik. Gegenlicht kommt prinzipiell aus irgendeinem Winkel hinter dem Objekt. Gegenlicht betont die äußeren Konturen bis zum totalen Schattenriss.

Mit Gegenlicht ist eine Kameraautomatik in der Regel überfordert, entweder bei Mitten betonter Messung wird die Belichtung auf das Objekt eingestellt, der Himmel überstrahlt es jedoch, so dass sich sogar die Konturen im Überstrahlt werden auflösen oder umgekehrt, die Belichtungsautomatik erfasst den hellen Himmel und das Objekt verschwindet im tiefen Schatten, nur noch seine Konturen sind deutlich.

Wenn man keinen manuellen Belichtungsmesser zur Verfügung hat, dann benutzt man am besten die Spotmessung und misst damit verschiedene Bildteile einzeln aus. Anschließend wählt man aus den so ermittelten Belichtungswerten einen Mittelwert und probiert es damit.


Sicherheitshalber, einer der Vorteile der digitalen Fotografie, dass man praktisch kostenlos soviel fotografieren kann wie die Speicherkarte hergibt, macht man noch 2- 4 Fotos mit jeweils einer halben Blende rauf und runter. Man kann stattdessen, dazu sollte die Kamera jedoch auf einem Stativ stehen, auch eine Belichtungsreihe machen mit jeweils mindestens drei Bildern, die in einer vollen Blendensstufe vom optimalen Wert nach oben und unten abweichen. Mit der HDR Funktion des Photoshop oder einem darauf spezialisierten Computerprogramm kann man anschließend diese Bilder miteinander verrechnen lassen und erhält somit oft ein beeindruckendes Ergebnis.

Dieses Foto stellt einen Übergang vom Gegenlicht zum Streiflicht dar. Im reinen Gegenlicht wären die Blüten Stengel schwach durchleuchtete Schatten. Doch die Lichtquelle ist immer noch knapp hinter der horizontalen Achse, somit sowohl Gegenlicht als auch Streiflicht.
Streiflicht

Streiflicht lässt etwas richtig aufleuchten. Das gilt nicht nur für die Blüte im oberen Bild, es gilt insbesondere auch in der Architektur, wo man mit Streiflicht die Schönheit einer Fassade erst so richtig zur Geltung bringen kann.

Als Streiflicht bezeichnet man das Licht, das nahezu aus einem 90° Winkel von der Seite kommt. Diese Situation ist in der Natur am frühen Abend gegeben, wenn die Sonne bereits dicht über dem Horizont steht und das Objekt in einem nahezu 90° Winkel zur Sonne steht. Mit Streiflicht werden Konturen besonders hervorgehoben.
Besonders deutlich lässt es sich an diesen Fotos des Hotels zum Ritter in Heidelberg demonstrieren.
Vermutlich nach dem Heidelberger Schloss eines der meistfotografierten Gebäude in Heidelberg, ist es doch das einzige Renaissancegebäude, das die Brandschatzung durch französische Truppen im pfälzischen Erbfolgekrieg nahezu unbeschadet überstand. Vielleicht deshalb, weil es damals einem Franzosen gehörte.
Der Fassade des Hotels zum Ritter bekommt das abendliche Streiflicht ganz
besonders gut.
Zum Vergleich eine Aufnahme, die am Nachmittag entstand, dann kommt das Licht zwar auch schon einigermaßen seitlich, doch das Streiflicht gibt es erst kurz vor Sonnenuntergang.
Streiflicht hebt Konturen ganz besonders plastisch hervor.
Das nebenstehende Foto vom Nachmittag würde noch langweiliger gegenüber dem oberen Foto wirken, wäre es nicht im Photoshop gewaltig aufgepeppt worden.
Streiflicht ist auch wichtig zur Dokumentation beispielsweise von Unfallschäden, Schäden an einer Gebäudefassade und vielen anderen Dokumentationen, denn durch das Streiflicht werden die Schäden erst wirklich sichtbar.
Tödlich ist dabei oft der Kamerablitz, bei solchen Fotos kann
man den eigentlichen
Schaden bestenfalls noch
ahnen, wirklich sofort nachvollziehbar für jeden Betrachter ohne eine Erklärung werden Fotos von beispielsweise Karosserieschäden, Beulen in einer Karosserie und Ähnliches mehr meist nur durch den gezielten Einsatz von Streiflicht.
Mit fotografischen Dokumentationen für Sachverständige und als Beweismittel vor Gericht habe ich reichlich Erfahrung gesammelt. Je eindrucksvoller ein Schaden auf einem Foto demonstriert wird, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Richter der eigenen Argumentation folgen und den Schaden ebenso wie man selbst als erheblich einstufen.
Besondere Lichtsituationen

Das Heidelberger Schloss, für mich als Heidelberger natürlich eines meiner Lieblings Fotomotive, kommt am besten bei abendlichen Licht, das als leichtes Streiflicht mit seinem hohen Rotanteil die Sandstein Mauern geradezu zum Leuchten bringt.

Tagsüber wirkt das Schloss aus der Ferne eher langweilig, der heimische Sandstein verschmilzt farblich nahezu mit dem bewaldeten Hintergrund und das Schloss ist kaum noch zu sehen.
Dazu ein direkter Vergleich. Das obige Foto wurde im Photoshop nicht nachbearbeitet, doch um überhaupt etwas von dem Schloss vor dem Hintergrund, mit dem es fast verschmilzt, sehen zu können, wurde die Farbdynamik der Rohdaten Datei in Adobe Bridge bereits um 20 % angehoben. Als nächstes sehen Sie dieses Bild nochmal mit einer Nachbearbeitung im Photoshop, die das Schloss überhaupt mal etwas hervorhebt, auch wenn die Wirkung des abendlichen Lichts mit keinen noch so ausgefeilten Tricks im Photoshop erreicht werden kann.

Bei der Nachbearbeitung wurden über "Auswahl", "Farbbereich", "Tiefen" die dunklen Teile im Bild ausgewählt, mit einer weichen Kante von 80 Pixeln versehen, die Auswahl mit "Ebene als Kopie" auf eine neue Ebene dupliziert, mit der Ursprungsebene mit "negativ multiplizieren" und 50 % Deckkraft verrechnet. Diese Ebene wurde nochmals dupliziert und mit "weichem Licht" ebenfalls mit 50 % Deckkraft mit der zweiten Ebene verrechnet. Dadurch kommt das Schloss und die Bäume im Vordergrund mit dem hellen Laub des Frühjahrs etwas stärker zur Geltung. Doch man kann an diesem Foto herumdoktern, soviel man will, ein gutes Foto wird es trotzdem nicht. Es ist einfach nicht das richtige Licht für das Heidelberger Schloss.
Ganz anders das Foto, das vom gegenüberliegenden Heiligenberg kurz vor Sonnenuntergang aufgenommen wurde.

Weitere Bilder vom Heidelberger Schloss finden Sie auf meiner Webseite heidelberg-photo.com
Bei den Fotos, die tagsüber aufgenommen wurden, ist im Photoshop der Kontrast teilweise erheblich erhöht worden, um das Schloss vor dem Hintergrund überhaupt sichtbar zu machen.
Porträt und Objektfotografie im Freien
Nur selten werden Sie, insbesondere wenn Termine mit Fotomodels vereinbart wurden, oder Sie einen Termin haben, um ein Auto zu fotografieren, das optimale Licht vorfinden. In einem solchen Fall ist es gut, wenn Ihnen ein bis zwei Assistenten behilflich sind, die mit Reflektionswänden dem Licht auf die Sprünge helfen.

Reflektionswände gibt es fertig zu kaufen, bei Nichtbedarf lassen sich zu einem kleinen Paket zusammenfalten. Für Lampenstive gibt es Aufsätze, mit denen Sie eine Reflexwand am Lampenstativ fixieren können. Funktioniert ohne Assistenten, die das Stativ festhalten jedoch nur bei annähernd Windstille.

Reflektionswände kann man sich auch selbst bauen. Man nehme dazu eine 3-5 mm (je nach Größe) starke Sperrholzplatte und eine Silberfolie, die auf der Rückseite mit Klebestoff beschichtet ist. An der Sperrholzplatte kann man zusätzlich ein Stativgewinde befestigen und mit dem Kugelkopf des Kamerastativs verbinden. Für besonders weiches Licht genügt eine Styroporplatte ohne Silberfolie (Outdoor: Achtung Wind!).
Mit Reflektionswänden können Sie nicht nur Schatten aufhellen, sondern gezielt Licht dorthin lenken, wo sie es brauchen.


